
Vergangen?...
Vergessen?....Scheinbar ja. Hier die Geschichte einer sensationellen
Hanomag Entwicklung Ende der 50iger Jahre, die von Landwirten und
Oldi-Schraubern vergessen wurde, von pfiffigen Ingenieuren aber nicht.
Denn sie findet ihre Fortsetzung in den elektronischen
Hydraulikanlagen moderner Großschlepper und kann
hoffentlich auch bald wieder im Original bei
Pflügerveranstaltungen mit Oldtimertraktoren mitmischen.Der
Bericht stammt von einem Zeitzeugen, der selber noch damit
gepflügt und gute Erfahrungen gemacht hat.
Die
Pilot-Regelhydraulik von Hanomag gibt es bei Schlepperveranstaltungen
nirgends mehr zu bewundern. Ihre
äußeren Merkmale mit den beiden Tasträdern
und dem dicken Regelventil auf der linken Hubstrebe wirken im Vergleich
zur Ferguson Hydraulik unflott und sind wohl schuld, dass
diese hervorragende Entwicklung von Hanomag vergessen worden ist. Diese
Hydraulik ist Ende der 50iger Jahre unter Umgehung der Ferguson Patente
entstanden, um Hanomag Besitzern schon vor Ablauf der Ferguson
Patente eine Regelhydraulik anbieten zu können. Sie
ist zweifelsfrei aus Fergusons Idee entstanden und stand lange nach
ihrem Verschwinden wiederum Pate bei der heutigen elektronischen
Regelhydraulik moderner Großschlepper. Angefangen aber haben
alle diese Meisterleistungen einfallsreicher Ingenieurskunst durch
Treckerfahrer beim Pflügen mit Problemen durch Schlupf.
Als
in den 50iger Jahren die ersten Anbaupflüge mit Handaushebung
oder an der Freiganghydraulik zum Einsatz kamen, hatten plietsche
Treckerfahrer bei Schlupf bald ein Gegenmittel gefunden; denn
bei behutsamem Hantieren mit dem Aushubhebel hört der Schlupf
schlagartig auf. Und es kann ohne Verlust von Arbeitstiefe flott weiter
gehen; denn durch eine teilweise Übernahme des
Geräte-Gewichtes auf die Schlepperhinterachse erhöht
sich die Zugkraft des Schleppers. Als Treckerfahrer hatte man bei zu
viel Schlupf nur die Möglichkeit geschickten
unaufhörlichen Hantierens. Der eine
und andere wird sich
schon damals gewünscht haben, diese Plackerei einer Automatik
zu überlassen. Keine schlechte Idee und für
findige Ingenieure eine großartige Herausforderung.
Ferguson gelang der große Wurf. Er war auch schon der
Erfinder der Dreipunkt Hydraulik und brachte darum die besten
Vorraussetzungen zur Lösung der im Raum stehenden Aufgabe mit.
Er ging davon aus, dass ein Dreipunkt-Anbaupflug bei seiner
Arbeit einen Druck auf den Oberlenker ausübt, der um so
stärker wird, je tiefer der Pflug arbeiten muss oder
je härter der Boden ist. Hier dient der Oberlenker neben der
Ausrichtung des Pfluges auch zur Übertragung des
Arbeitswiderstands vom Pflug an ein Regelventil der Hydraulik. Deshalb
nannte Ferguson seine Erfindung Widerstandsregelung. Die
gewünschte Arbeitstiefe wird am Steuersegment der Hydraulik
mit einem verstellbaren Anschlagknopf eingestellt. Bei der Arbeit
vergleicht das Regelventil den eingestellten Wert mit
dem Arbeitswiderstand.
Beim Pflügen mit scharfen Pflugscharen, gutem Untergriff und
ohne Stützrad und Hacke wird jeder Pflug auf
größere als die eingestellte Tiefe gehen wollen und
erhöht damit den Arbeitswiderstand gegenüber dem
eingestellten Wert. In der Folge hebt die Hydraulik kurz an, bis die
Werte wieder ausgeglichen sind. Das Spiel beginnt in ganz kurzen
Interwallen immer wieder von Neuem . Dadurch werden praktisch ca 90%
vom Geräte-Gewicht auf die Schlepper-Hinterachse
übertragen und verbessern damit die Zugkraft des Schleppers
erheblich. Auch die Bedienbarkeit gegenüber Gespannen
mit Freiganghydraulik wurde ungleich viel besser. Denn
notwendige Tiefenkorrekturen durch unterschiedliche
Bodenverhältnisse konnten mit dem kleinen Finger am
Steuergerät ausgeführt werden. Pflügen wurde
nun kinderleicht.
Man kann das Arbeiten der Regelhydraulik am vibrierenden Oberlenker
fühlen, der sich im Gegensatz zur Freiganghydraulik
während der Arbeit zur korrekten Pflugausrichtung leicht
verdrehen lässt.
Die Ingenieure von Hanomag umgingen
das Ferguson Patent, indem ihr
Regelventil seine Impulse nicht mehr durch den Arbeitswiderstand
sondern von einem kleinen Fahrgestell am Hydraulikgestänge als
Tiefentaster empfängt. Außer dieser Besonderheit
arbeitet die Regelung genau wie bei Ferguson und
überträgt durch die schnellen Korrektur-Interwalle
ca. 90% vom Gerätegewicht auf die Schlepperhinterachse. Diese
Hydraulik kann aber mehr als die von Ferguson; denn bei
unterschiedlichen Bodenverhältnissen muss nicht mehr
nachgeregelt werden, wenn die Arbeitstiefe am Taster richtig
eingestellt worden ist. Die Vorteile der Pilot-Regelung wiegen um so
mehr, je unterschiedlicher die Bodenverhältnisse in
einer Furche sind. Dagegen wirkt die Bedienung am Anfang eigenwillig
und fremd; denn die Bedienungshebel liegen anders als bei den meisten
Schleppern links vom Fahrer und sind auch nicht auf den gewohnten einen
Hebel beschränkt.
Die gewünschte Arbeitstiefe wird auch nicht am Steuersegment
eingestellt sondern durch Handrad am Tiefentaster. Danach wird an einem
kleinen Stellrad am linken Hubgestänge je nach
Gerätegewicht in Kategorie I, II oder III geschaltet.
Kategorie I bis Pflüge ca. 250 kg, II
Pflüge ca. 550 kg, III schwere Geräte mit wenig
Tiefgang.
Beim Anbau des Gerätes wird die Regelung ausgeschaltet durch
Zurücklegen des kleinen Hebels am Regelventil. Durch Ziehen
des Kraftheber-Schalthebels nach hinten wird das Gerät bis zur
einstellbaren Hubbegrenzung am linken Hubarm angehoben. Danach geht der
Hebel automatisch in seine Neutral= und Transportstellung
zurück.
Zum Einsetzen des Pfluges wird erst der kleine Reglerhebel
nach vorne gelegt und der große Hydraulikhebel nach vorne auf
Senken geschoben, bis der Pflug seine Arbeitstiefe erreicht hat und
dann wieder auf Heben. In dieser Stellung arbeitet die Regelung beim
Pflügen. Evtl. muss die Arbeitstiefe durch Nachjustieren am
Tasterhandrad einmalig korrigiert werden.
Ausgehoben wird durch Zurücklegen des kleinen Steuerhebels am
Regelventil nach hinten. Wenn die Hydraulik automatisch auf
Transportstellung und neutral geschaltet
hat, wird nun der kleine Steuerhebel am Regelventil wieder nach vorne in
Regelstellung gelegt.
Hanomag-Regelhydraulik auch bei
ungünstigen Verhältnissen Probleme mit den
Tasträdern, bis sie schließlich sang= und klanglos
wieder verschwand. Und darum freue ich mich über das gute
Gerücht, dass in Brodersby bei Kapseln noch haufenweise
Pilot-Regelungen bei Helmut Pohl liegen sollen und im kommenden Jahr in
Eggebek beim Frühjahrspflügen der Tränetaler
Treckerfreunde ein Hanomag mit Pilot-Regelung seine Runden drehen
wird.... endlich wieder!Oskar